Was kleine Kinder in einer digitalisierten Welt brauchen, lernen sie zunächst ohne Bildschirm
Familien und Fachpersonen sehen sich zusehends dem Druck ausgesetzt, Kinder im Hinblick auf eine digitalisierte Welt speziell zu fördern. Begriffe wie Future Skills, digitale Kompetenzen oder kritisches Denken begegnen Eltern immer häufiger. Es entsteht schnell der Eindruck, dass Kinder diese Fähigkeiten vor allem im direkten Umgang mit digitalen Medien entwickeln. Folge davon ist eine Verunsicherung, ob und in welchem Masse bereits Kleinkinder mit digitalen Geräten agieren sollten, um entsprechende Kompetenzen zu erwerben.
Ein genauerer Blick auf die frühe Entwicklung zeigt jedoch eindeutig, dass die Grundlage für erfolgreiche Entwicklung und Lernen in einer digitalisierten Welt nicht am Bildschirm entsteht. Sie entsteht vielmehr im Alltag, in den vielen kleinen Momenten, in denen Kinder selbst aktiv werden und die Welt mit allen Sinnen entdecken.
Wenn Kinder mit diversen Materialien spielen, Dinge ausprobieren, wiederholen und verändern, passiert mehr, als auf den ersten Blick sichtbar ist. Sie handeln selbstständig, entwickeln eigene Lösungen und beginnen, Zusammenhänge zu verstehen. Genau daraus entstehen Fähigkeiten wie kritisches Denken, Kreativität und Problemlösefähigkeit, die als entscheidende Kompetenzen in einer digitalisierten Welt gelten.
Viele dieser Lernprozesse entstehen in ganz alltäglichen Situationen. Beim Sortieren von Gegenständen, beim Schütten, Stapeln oder Kombinieren, beim wiederholten Ausprobieren. Was unscheinbar wirkt, ist für Kinder zentral. Sie erleben dabei, dass sie etwas bewirken können, dass sie Lösungen finden und dass es sich lohnt, dranzubleiben. Diese Erfahrungen stärken die Selbstwirksamkeit und bilden eine wichtige Grundlage für weiteres Lernen.
Gerade in den ersten Lebensjahren lernen Kinder primär über den Körper und die Sinne. Sie fühlen, bewegen, beobachten und hören. So entwickeln sie ein Verständnis für die Welt. Lernen bedeutet in diesem Alter vor allem, im wörtlichen Sinn zu begreifen.
Digitale Medien können Informationen vermitteln. Was sie nicht ersetzen können, sind unmittelbare Erfahrungen. Dazu gehört das Gewicht eines Gegenstandes, die Beschaffenheit von Materialien, die eigene Bewegung im Raum oder das direkte Ausprobieren. Genau diese Erfahrungen helfen Kindern, Zusammenhänge zu verstehen, sich zu konzentrieren und sich selbst zu regulieren.
Das bedeutet nicht, dass digitale Medien, wenn sie alters- und entwicklungsgerecht genutzt werden, grundsätzlich problematisch sind. Entscheidend ist, dass Kinder zunächst ausreichend reale Erfahrungen machen können und Bezugspersonen haben, die diese mit ihnen reflektieren. Darauf baut späteres Lernen auf.
Unser Tipp: Sensible Zeitfenster nutzen
Kinder zeigen Interesse oft nicht konstant, sondern in Phasen. Über eine gewisse Zeit hinweg wenden sie sich intensiv einem Thema oder einer Tätigkeit zu, zum Beispiel Zahlen, Bewegungsabläufen oder dem selbstständigen Anziehen. In diesen Momenten entsteht eine besondere Offenheit für Lernen.
Es lohnt sich, solchen Interessen Raum zu geben und sie im Alltag aufzugreifen. Kinder vertiefen sich dann häufig von sich aus, wiederholen Handlungen und bauen ihr Verständnis schrittweise aus. Nach einiger Zeit nimmt das Interesse oft wieder ab oder verschiebt sich. Das ist ein normaler Bestandteil von Entwicklung.
Wenn aktuell kein Interesse an einem bestimmten Thema besteht, führt es meist nicht weiter, darauf zu beharren. Das kann zu Frustration führen und Lernprozesse eher behindern als unterstützen. Sinnvoller ist es, Phasen von Interesse zu nutzen und andere Themen zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufzugreifen.
Grundsätzlich kann darauf vertraut werden, dass Kinder sich für entwicklungsrelevante Themen immer wieder interessieren. Diese Phasen verlaufen individuell und unterschiedlich stark ausgeprägt.
Bei Unsicherheit, ob sich ein Kind innerhalb der üblichen Bandbreite entwickelt, kann es hilfreich sein, eine Fachperson beizuziehen und die Situation gemeinsam einzuordnen.
Unterstützung für den Alltag
Für alle, die sich zusätzliche Ideen für alltagstaugliche Lerngelegenheiten wünschen, bieten die Lumento-ToolBoxen eine Vielzahl an konkreten Impulsen, die sich direkt umsetzen lassen und Kinder in ihrer Entwicklung unterstützen. Sie finden Sie hier:
Lumento Lernwelten
Als Familie durch die Kleinkindzeit
Der Alltag mit kleinen Kindern ist voller wunder-
schöner Momente. Gleichzeitig bringt er auch viele
Herausforderungen mit sich: wenig Schlaf, stän-
dige Entscheidungen, Unsicherheiten und das
Gefühl, allem gerecht werden zu müssen. Der
Fernkurs «Als Familie durch die Kleinkindzeit»
unterstützt Sie genau dort, wo es zählt: im alltäg-
lichen Familienleben, zwischen Frühstückstisch,
intensiven Gefühlen und Gute-Nacht- Geschichte.
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Der Alltag mit kleinen Kindern ist bunt, aber oft
auch vollgepackt. Umso wertvoller sind kleine
Momente der Verbindung, des Lachens und der
Leichtigkeit. Der Fernkurs «Gemeinsam die Welt
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